Mark Wallinger, Angel, 1997 © Mark Wallinger, Foto: Axel Schneider

Bogomir Ecker, Mark Wallinger und ein unbekannter Meister Angel Dust

Wodurch wissen wir, wann die Zeit gekommen ist, das eine zu tun und das andere zu lassen? Auf wen oder was hören wir, wenn es darum geht Entscheidungen zu treffen? Welche Stimmen verlangen gehört zu werden? Welche wollen uns beeinflussen? Welche Sprache spricht der Engel der Verkündigung? Und in welcher Gestalt tritt er auf? Warum hören wir nicht auf die Rufer in der Wüste und warum predigt einer wie Zarathustra vor tauben Ohren? Der Aufforderungen sind viele. Und: „Wer Ohren hat, der höre!“ (Matthäus 13,9)

So vieles wird uns tagtäglich verkündigt. Aber was kommt wirklich bei uns an, was hören wir, wenn wir hinhören und was von dem Gehörten verstehen wir? Welche Frucht pflanzt der Geist in unser Ohr, auf dass sie wachse und gedeihe? Wie erkennen wir, wann der richtige Zeitpunk zum Innehalten und Lauschen gekommen ist? Ein Gemälde, ein Video und eine Plastik – drei Werke von ganz unterschiedlichen Künstlern, gespeist aus verschiedenartigen Quellen und inspiriert von andersartigen Fragen.

Mittels dreier Künstler, dreier Werke und dreier Medien soll keine vorab formulierte These illustriert werden. Vielmehr geht es darum, eine Sphäre zu schaffen, in der sich unterschiedliche Arten des Sagens, des Verkündens und des Hörens und Verstehens begegnen.

Ein spätmittelalterliches Gemälde zeigt eine Verkündigungsszene. „Fürchte Dich nicht!“, spricht der Engel zu Maria und seine liebliche Erscheinung und bestimmende aber sanfte Gestik unterstreichen seine beruhigenden Worte. In Mark Wallingers Video Angel begegnet uns ein gänzlich anderer Engel. Er trägt eine dunkle Brille und einen weißen Stock in der Hand und hört auf den Namen „Blind Faith“, blindes Vertrauen. Er bewegt sich, tritt aber auf der Stelle und rezitiert dabei den Prolog des Johannesevangeliums: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott...“. Doch sein Sprechen stolpert, erscheint holprig, verdreht, einem Stammeln gleich.Die frei im Raum hängende Plastik Bogomir Eckers spricht nicht. Ein hohler Körper, durchsetzt von kleinen Löchern. Diese Öffnungen gewähren Einblick in das unbekannte Innere der anthropomorphen Figur. Sie ist ein Resonanzkörper, der aufnimmt – ein Körper als Ohr.

Alle drei Werke zusammen erschaffen einen Raum, in dem gesprochen, verkündigt, gehört und geschwiegen wird. Ein Raum voller Inspiration.

In Zusammenarbeit mit dem Haus am Dom

Ausstellung

20. Februar — 12. April 2009

ZOLLAMTMMK

Domstraße 3
60311 Frankfurt am Main

mmk@stadt-frankfurt.de
+49 69 212 30447

Künstler_innen

  • Bogomir Ecker
  • Mark Wallinger
  • Angel Dust