Kader Attia, Intifada: The Endless Rhizomes of Revolution, 2016, Courtesy the artist, Foto: Axel Schneider. Bildbeschreibung: In einem hellen Ausstellungsraum befinden sich mehrere kleine Haufen aus unterschiedlich großen Steinen. Aus den Steinhaufen sprießen jeweils Ast-ähnliche Gebilde aus gerostetem Eisen empor. An manchen Verzweigungen befinden sich Gummizüge, sodass die Verästelungen zum Teil zu Zwillen werden.

Kader Attia

Sacrifice and Harmony

Spätestens seit seiner aufsehenerregenden Präsentation auf der letzten documenta zählt Kader Attia (*1970) zu den international führenden Künstlern seiner Generation. Das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main widmet Attia jetzt eine umfassende Einzelausstellung.

Als Kind algerischer Einwanderer in den Banlieues von Paris aufgewachsen, bilden seine Erfahrungen in zwei unterschiedlichen kulturellen Milieus die Grundlage für seine künstlerische Praxis. In der Ausstellung im MMK erforscht er die weitreichenden Auswirkungen der westlichen kulturellen Hegemonie auf nicht-westliche Kulturen vor dem Hintergrund unserer globalisierten Gegenwart.

Attia befasst sich in seinen ästhetisch beeindruckenden wie ethisch anspruchsvollen Werken mit dem Konzept der „Reparatur“, das er seit vielen Jahren erforscht und in seiner großartigen viel beachteten Installation „The Repair from Occident to Extra-Occidental Cultures“ auf der documenta 13 (2012) erstmals in vollem Umfang ausgebreitet hat. Von einem antiken kongolesischen Lendenschurz ausgehend, der mit einem europäischen Stoff geflickt wurde, unterscheidet der Künstler zwei verschiedene Ansätze der Reparatur: Die geflickten Artefakte der ethnologischen Sammlungen zeigen ganz offensichtlich die Nähte und Klammern und damit die Geschichte des Gegenstandes. Die westliche Vorstellung hingegen verfolgt das Ideal der spurlosen Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes. Diese beiden Konzepte überträgt Attia auf unterschiedlichste Wissensgebiete und Techniken und verweigert ihnen ihre eindeutige kulturelle Zuordnung, indem er auf gleiche Phänomene in unterschiedlichen Kulturbereichen verweist. Dabei geht es ihm nicht um eine Versöhnung der kulturellen Differenzen, sondern vielmehr um eine geschärfte Wahrnehmung der Pluralitäten.

Für die Ausstellung „Sacrifice and Harmony“ im MMK 1 entwickelt Kader Attia eine neue Gruppe von Werken, die sein Konzept der Wiederaneignung und der Reparatur fortführt. Dabei richtet er den Blick auch auf religiös und politisch motivierte Opferrituale. Ursprünglich zur Harmonisierung von Ordnungen gedacht, sieht sie Kader Attia in zeitgenössischen Gesellschaften als ein Hauptinstrument der Angstpolitik, die das friedliche Zusammenleben und die gesellschaftliche Harmonie zerstören.

Ein Katalog zur Ausstellung ist im Kerber Verlag erschienen.

Ausstellung

16. April — 14. August 2016

MUSEUMMMK

Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main

mmk@stadt-frankfurt.de
+49 69 212 30447

Publikationen

Exhibition Views

Kader Attia, Los de Arriba y Los de Abajo, 2015, Courtesy the artist, Lehman Maupin and Galerie Nagel Draxler, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, Los de Arriba y Los de Abajo, 2015, Detail, Courtesy the artist, Lehman Maupin and Galerie Nagel Draxler, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, Parabolic Self Poetry, 2015, Courtesy the artist and Galerie Krinzinger, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, When Cardboard repairs Plastic # 2, 2016, Courtesy the artist and Galerie Krinzinger, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, Modern Architecture Genealogy, 2014, Courtesy the artist and Galerie Krinzinger, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, Intifada: The Endless Rhizomes of Revolution, 2016, Courtesy the artist and Galerie Krinzinger, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, Untitled, 2014, Courtesy the artist and Galerie Krinzinger, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, Intifada: The Endless Rhizomes of Revolution, 2016, Courtesy the artist and Galerie Krinzinger, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, J’Accuse, 2016, Courtesy the artist and Galerie Nagel Draxler, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, J’Accuse, 2016, Courtesy the artist and Galerie Nagel Draxler, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, J’Accuse, 2016, Courtesy the artist and Galerie Nagel Draxler, Foto: Axel Schneider
Kader Attia, Chaos + Repair = Universe, 2014, Courtesy the artist and Galleria Continua, Foto: Axel Schneider