Franz West, Chou Chou, 1998, Foto: Axel Schneider, © Franz West Privatstiftung. Bildbeschreibung: Inmitten eines hellen Raumes befindet sich eine weiße Trennwand. Im oberen Teil dieser Wand befindet sich eine neon-pinke rechteckige Fläche, deren untere linke Ecke so aussieht als würde sie fehlen. Rechts und links daneben sind kleine schwarze Lautsprecher in die Wand eingelassen. Links unterhalb des linken Lautsprechers hängen zwei kleine quadratische Bilder an der Wand, die wie CD-Cover aussehen und die gleiche pinke Farbe wie die fünf Stühle haben, die in einer Reihe vor der Wand aufgestellt und der betrachtenden Person zugewandt sind.
Franz West, Chou Chou, 1998, Foto: Axel Schneider, © Franz West Privatstiftung. Bildbeschreibung: Inmitten eines hellen Raumes befindet sich eine weiße Trennwand. Im oberen Teil dieser Wand befindet sich eine neon-pinke rechteckige Fläche, deren untere linke Ecke so aussieht als würde sie fehlen. Rechts und links daneben sind kleine schwarze Lautsprecher in die Wand eingelassen. Links unterhalb des linken Lautsprechers hängen zwei kleine quadratische Bilder an der Wand, die wie CD-Cover aussehen und die gleiche pinke Farbe wie die fünf Stühle haben, die in einer Reihe vor der Wand aufgestellt und der betrachtenden Person zugewandt sind.

Franz West

Wo ist mein Achter?

Die große Überblicksausstellung „Franz West. Wo ist mein Achter?“ zeigt erstmals nach dem Tod von Franz West (1947 – 2012) eine Vielzahl seiner Skulpturen, Collagen und großformatigen Rauminstallationen.

Die Präsentation wurde in Zusammenarbeit mit dem mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien Stiftung Ludwig Wien realisiert. Franz West, der als der international erfolgreichste Gegenwartskünstler Österreichs gilt, hat die Ausstellung noch vor seinem Tod selbst initiiert und mit viel Enthusiasmus mitentwickelt.

Im Zentrum der umfassenden Präsentation stehen Wests Kombi-Werke, Arbeiten, in denen er mehrere und sehr unterschiedliche Einzelstücke zu einem Kunstwerk vereint. Durch die Kombination und Rekombination unterschiedlicher Werkgruppen, wie die sogenannten Passstücke, Möbel, Skulpturen, Videos oder Papierarbeiten aus allen Schaffensperioden gibt die Ausstellung einen Überblick über die Bandbreite seines umfassenden Œuvres. Ebenfalls in diesen Werken enthalten sind Arbeiten befreundeter Künstlerkollegen, darunter Heimo Zobernig, Herbert Brandl, Martin Kippenberger, Michelangelo Pistoletto oder Andreas Reiter Raabe.

Die Arbeitsweise von Franz West war grundsätzlich partizipativ angelegt. Mit der aktiven Teilhabe des Betrachters als „Nutzer” seiner Werke veränderte West die Bedeutung der traditionellen Vorstellungen von Künstler und Werk. Erst dadurch, dass die Betrachter Teil des Kunstwerkes werden – indem sie mit ihm hantieren oder es als Sitz- und Liegefläche in Besitz nehmen – waren diese Werke für Franz West vollständig. Die Wahrnehmung eines Werkes wird damit zu einer körperlichen Erfahrung.

„Alles, was wir sehen, könnte auch anders sein“, zitierte Franz West 1988 den von ihm hochgeschätzten Philosophen Ludwig Wittgenstein und sprach damit einen essenziellen Aspekt seiner eigenen künstlerischen Herangehensweise an. Das Prinzip der Kombination und Rekombination entspricht Wests Überzeugung, dass die Bedeutung einer Äußerung oder eines bildsprachlichen Elements nie fix und eindeutig definiert sein kann, sondern sich dem jeweiligen Kontext und dem Gebrauch entsprechend ändert.

Seine künstlerische Ausbildung erhielt West als Student von Bruno Gironcoli an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Wests internationale Künstlerkarriere begann schließlich in den späten 1980er bis 1990er-Jahren, als er zu einem der einflussreichsten Plastiker der europäischen Kunstszene wurde.

Franz West entwickelte ein sehr eigenständiges Werk, das enorm einflussreich und keiner künstlerischen Strömung zuzuordnen war. Dafür wurde er 2011 auf der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt, der höchsten Auszeichnung für einen lebenden Künstler.

Der von West gewählte Titel der Ausstellung ist ein weiteres Beispiel seiner Praxis der Kombination und Rekombination: Ausgangspunkt ist eine Gouache aus dem Jahr 2004 mit dem Motiv einer Frau, die nach einer Abmagerungskur ihre viel zu große Hose zeigt. Durch Auslassung des „W“ transformierte der Künstler hier den Titel „Lost Weight“ in „Lost Eight“, um schließlich die titelgebende Frage abzuleiten: Wo ist mein Achter? Die Antwort darauf lässt West offen und eröffnet neuen Spielraum für verschiedene assoziative Anknüpfungspunkte. 

Ausstellung

29. Juni — 13. Oktober 2013

MUSEUMMMK

Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main


mmk@stadt-frankfurt.de
+49 69 212 30447